Neurologische Krankheiten

Möglichkeiten eine Demenz zu verhindern

Alte Frau die gepflegt wird
© Ingo Bartussek / Fotolia

Eine Demenz kann in vielen Fällen vermieden werden und es ist nie zu früh, um bereits vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, denn die Demenz ist keineswegs ein unvermeidliches Ergebnis des Alterns. Tatsächlich könnte nach neuen Erkenntnissen einer von drei Demenzfällen ganz verhindert werden.

Für ihren Bericht hat die Lancet-Kommission zur Demenzprävention eine Reihe von Studien analysiert und ein Modell entwickelt, welches aufzeigt, wie Menschen in verschieden Altersgruppen ihren Lebensstil ändern können, um das Risiko eine Demenz zu entwickeln zu reduzieren.

Dazu wurden potenziell reversible Risikofaktoren aus verschiedenen Lebensphasen betrachtet – nicht nur das Alter. Auf dieser Grundlage können die Forscher Empfehlungen aussprechen, um mögliche Risikofaktoren zu minimieren und damit deren schädlichen Auswirkungen zu beseitigen.

Mehrere Faktoren spielen eine besonders große Rolle und können das Risiko an eine Demenz zu entwickeln enorm beeinflussen.  Dazu gehört bereits eine gute und geistig fordernde Kindheitserziehung, körperliche Bewegung und Training, soziale Tätigkeiten, ein Verzicht auf das Rauchen, die richtige Behandlung bei Hörverlust oder Depressionen, sowie die Prävention und richtige Behandlung von Diabetes, Bluthochdruck und Fettleibigkeit. Jeder dieser Faktoren könnte dazu beitragen, den Ausbruch einer Demenz zu verhindern oder zu verzögern.

Die eindeutige Botschaft ist: Es braucht eine ehrgeizige Prävention. Mehr Menschen müssen damit anfangen, ihren Lebenswandel kritisch zu hinterfragen. Es ist nie zu früh und auch niemals zu spät, um den Blutdruck überprüfen zu lassen oder mit dem Rauchen aufzuhören. Gerade für ab 45 Jahren ist eine regelmäßige Überprüfung des Blutdrucks dringend zu empfehlen. Auch bei beginnenden Problemen mit dem Gehör, sollte man nicht lange warten, sondern möglichst bald einen Arzt aufsuchen. Besonders wichtig: Körperlich, geistig und sozial aktiv bleiben. Des Weiteren das eigene Gewicht und den Blutzucker beobachten und im Griff haben. Eine jährliche Routineüberprüfung beim Arzt, inklusive eines Blutbilds, ist in jedem Fall ratsam.

Eine große gesundheitliche Herausforderung

Demenz ist die größte globale Herausforderung für die Gesundheitspolitik und soziale Betreuung im 21. Jahrhundert. Eine Demenz zu entwickeln ist für viele Menschen eine der größten Ängste. Die Menschen leben immer länger und bei der Demenz handelt es sich vor allem um eine Alterskrankheit, was bedeutet, dass die Raten der Betroffenen steigen. Über 47 Millionen Menschen auf der ganzen Welt leben mit einer Demenz. Diese Zahl wird voraussichtlich bis 2050 auf 115 Millionen ansteigen.

In einigen Ländern wie dem Vereinigten Königreich, den USA, Schweden und den Niederlanden ist die Zahl der Neuerkrankten zurückgegangen, sodass der Anteil älterer Menschen mit Demenz zurückgegangen ist, obwohl dort in absoluten Zahlen mehr Menschen an einer Demenz leiden, da es immer mehr alte Leute gibt. In vielen anderen Ländern hat sich der Anteil der älteren Menschen mit Demenz jedoch erhöht.

Im Jahr 2015 wurden die globalen Kosten der Demenz auf 818 Milliarden Dollar geschätzt und die Kosten werden mit der steigenden Zahl der Betroffenen ebenfalls steigen. Fast 85 % der Kosten stehen eher in Zusammenhang mit der sozialen Betreuung der Betroffenen und nicht mit der medizinischen Versorgung. Eventuell ist es möglich, dass zukünftige durch eine neue Form der medizinischen Versorgung, einschließlich Maßnahmen der öffentlichen Gesundheitspolitik, einige dieser Kosten reduziert werden könnten.

Es geht darum, etwas zu tun

Menschen darüber zu informieren, was getan werden kann, um eine Demenz zu verhindern, ist ein wesentlicher erster Schritt, aber noch lange nicht genug. Es gibt eine Verantwortung, nicht nur für Mediziner, sondern gesamtgesellschaftlich, um diese Erkenntnisse als tatsächliche Prävention umzusetzen. Hier ist sowohl die Gesundheitspolitik als auch individuelle Anstrengungen gefragt. Die Möglichkeiten zur Prävention müssen zugänglich, nachhaltig und, wenn möglich angenehm sein oder sie werden nicht genutzt.

Natürlich wird nicht jeder in der Lage sein, Änderungen vorzunehmen. Einige Änderungen werden eventuell keinen Unterschied ausmachen und einige Demenzrisiken sind genetisch bedingt (etwa 7 % der Fälle), diese sind derzeit nicht durch eine Form der Prävention zu verhindern. Dennoch sollte ein vermeiden der oben genannten Risikofaktoren die Demenz für einige Mensche zumindest für einige Jahre verzögern, was bereits eine enorme Leistung wäre und es vielen Menschen ermöglichen würde, ihr Lebensende zu erreichen, ohne dabei eine Demenz entwickelt zu haben.

Eine effektive Demenzprävention könnte die Zukunft für unsere alternde Gesellschaft verändern. Es muss aber bereits mit dem jetzigen Wissen gehandelt werden, damit diese Effekte eintreten und weniger Menschen eine Demenz entwickeln.

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