Stoffwechselkrankheiten

Gleiche Risikogene für Diabetes Typ 2 und koronare Herzkrankheit

DNA Illustration
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Durch die Genomdaten von mehr als 250.000 Menschen haben Wissenschaftler Genvarianten identifiziert, die das Risiko von Typ 2 Diabetes und koronarer Herzkrankheit zu verändern scheinen.
Das internationale Team von Forschern der Perelman School of Medicine an der Universität von Pennsylvania in Philadelphia, dass die Analyse durchgeführt hat, erklärt die Ergebnisse in der Zeitschrift „Nature Genetics“.

Etwa 95 Prozent aller Diabetespatienten leiden an Typ 2 Diabetes. Der Diabetes Typ 2 entwickelt sich, wenn der Körper zwar genug Insulin produziert, aber die Zellen die Fähigkeit verlieren, es zu verwenden, um Blutzucker zu absorbieren und in Energie umzuwandeln.

Bei den anderen 5 Prozent der Diabetes Fälle handelt es sich um Typ 1 Diabetes. In diesem Fall produziert der Körper nicht genug Insulin.

Wenn der Diabetes nicht erkannt wird, kommt es zu hohem Blutzucker oder Hyperglykämie. Dies kann zu schweren gesundheitlichen Problemen führen.

Viele Betroffene wissen noch nichts von ihrem Diabetes

Weltweit ist die Prävalenz von Diabetes bei Erwachsenen von 4,7 Prozent im Jahr 1980 auf 8,5 Prozent im Jahr 2014 gestiegen. In Deutschland leiden im Jahr 2017 rund 6,7 Millionen Menschen an Diabetes, wobei darunter geschätzte 2 Millionen sind, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. Pro Jahr entstehen durch Diabetes und seine Folgekrankheiten Kosten von gut 35 Milliarden Euro für Behandlung, Pflege, Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Ein schlecht eingestellter Blutzucker führt Jahr für Jahr zu Neuerblindungen, Amputationen, ein Leben mit Dialyse oder Herz- und Gefäßkomplikationen. Drei Viertel aller Betroffenen sterben letztlich an Herzinfarkt oder Schlaganfall.

In ihrer Studie kamen die Forscher zum Schluss, dass Patienten mit Typ 2 Diabetes ein doppelte Wahrscheinlichkeit aufweisen, an einer koronaren Herzkrankheit zu versterben als Patienten ohne Diabetes. Allerdings waren die genetischen und molekularen Mechanismen, die zu diesem höheren Risiko führen, bisher nicht richtig verstanden.

Genanalyse führt zu neuen Erkenntnissen

Aufgrund einer relativ neuen Technologie haben die Wissenschaftler nun jedoch ein gutes Verständnis der „genetischen Architektur“ der koronaren Herzkrankheit und des Typ 2 Diabetes. Es handelt sich bei der neuen Technologie um eine Sequenzierungsmethode, die schnell die Genome, oder komplette Sätze an DNA, von Tausenden von Menschen scannen kann. Wissenschaftler nutzen sie, um die Stellen im Genom, die mit einer spezifischen Krankheit verbunden sind. Im Falle von Diabetes Typ 2 und Herzerkrankungen kam es zur Entdeckung von mehreren Dutzend Risikobereichen.

Weniger gut verstanden ist allerdings das Ausmaß, in dem die Risikogene hinter den beiden Krankheiten stecken und die genauen molekularen Wege, also wie die Risikogene die Abläufe in den Zellen, mit Blick auf die Krankheiten, beeinflussen.

Für ihre Studie untersuchte das Team Daten von mehr als 250.000 Menschen südasiatischer, ostasiatischer und europäischer Abstammung und bestätigte viele der bekannten Risikostellen für Diabetes. Sie fanden auch 16 neue Risikostellen für Typ 2 Diabetes und eine neue für die koronare Herzkrankheit.

Entwicklung eines Medikaments prinzipiell möglich

Weitere Analysen zeigten, dass die meisten Stellen auf dem Genom, die bekanntermaßen mit einem erhöhten Risiko für Typ 2 Diabetes verknüpft sind, auch mit einem höheren Risiko für koronare Herzerkrankungen verbunden sind. Die gemeinsamen Genvarianten sind verantwortlich für mehrere Wege, die die Immunität, die kardiovaskuläre Entwicklung und die Zellproliferation im Körper beeinflussen. Die Identifizierung dieser Genvarianten im Zusammenhang mit dem Risiko für Typ 2 Diabetes und koronarer Herzkrankheit eröffnet grundsätzlich neue Möglichkeiten, das Risiko für beide Krankheiten mit nur einem Medikament zu reduzieren.

Insgesamt stellten die Forscher fest, dass die genetischen Verbindungen zwischen den beiden Krankheiten, in eine Richtung zu arbeiten scheinen. Die risikoreichen Stellen für Typ 2 Diabetes scheinen eher mit einem höheren Risiko für die koronare Herzkrankheit verbunden zu sein als umgekehrt. Deshalb muss in diesem Bereich bei der Entwicklung eines Medikaments, sichergestellt werden, dass bei der Reduzierung des Risikos für eine Krankheit, sich das Risiko für die andere erhöht.

Die Forscherteam hofft, in weiteren Studien noch mehr Erkenntnisse zu gewinnen, indem die Gene von Menschen analysiert werden, die Mutationen in den risikoreichen Stellen aufweisen.

 

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