Neurologische Krankheiten

Bald neues Arzneitmittel gegen chronische Migräne?

Frau hat Kopfschmerzen
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Geschätzt 1,5 – 2 % der Weltbevölkerung leiden unter chronischer Migräne. Darunter versteht man Migräneattacken, die 15 Mal pro Monat oder häufiger für mehr als 3 Monate auftreten. Die Lebensqualität von Menschen, die unter chronischer Migräne leiden, ist häufig schlecht. Es gibt mehrere Medikamente gegen chronische Migräne, einschließlich Topiramat, Beta-Blocker und Amitriptylin. Keine dieser Optionen ist jedoch hundertprozentig wirksam. Zudem werden sie häufig schlecht von den Betroffenen vertragen. Von großer Bedeutung ist daher die Entwicklung effektiverer und sichererer Arzneimittel, die bei chronischer Migräne eingesetzt werden können.

Forscher haben ein neues Ziel identifiziert, das bei der Migräne eine Rolle spielt, das sog. Calcitonin Gene Related Peptide (CGRP). Es handelt sich dabei um ein Neuropeptid, das durch das gleiche Gen wie Calcitonin codiert wird.

CGRP mit kleinen Molekülen – wie den sog. „Gepants“- hat sich als wirksam bei der akuten Behandlung von Migräne erwiesen. Leider wurden die Gepants auch mit Lebertoxizität assoziiert. Aus diesem Grund wurde ihre Entwicklung aufgegeben. Stattdessen haben Forscher ihre Aufmerksamkeit auf „Erenumab“ gerichtet, einen Antikörper, der auf den CGRP-Rezptor abzielt.

In einer kürzlich randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie, untersuchte eine Gruppe von Forschern die Wirksamkeit und Sicherheit von Erenumab bei der Behandlung von chronischen Migränen. Insgesamt 667 Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, die unter chronischer Migräne litten, wurden in die Studie eingeschrieben. Diese Patienten wurden per Zufall entweder der Placebogruppe, der 70 mg Erenumab-Gruppe oder der 140 mg Erenumab-Gruppe zugeordnet. Erenumab wurde dann subkutan alle 4 Wochen für insgesamt 12 Wochen injiziert.

Erenumab liefert vielversprechende Ergebnisse

Die Studie ergab, dass im Vergleich zu der Placebogruppe, die Behandlung mit Erenumab, die Anzahl der Migräneattacken pro Monat deutlich reduzierte. Genauere Analysen ergaben, dass die Wirksamkeit von Erenumab innerhalb der ersten 4 Wochen der Studie beobachtet werden konnte, was darauf hinweist, dass das Medikament schnell arbeitet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass beide Dosen von Erenumab gut gegen chronische Migräne wirken. Darüber hinaus gab es, was die Anzahl der Nebenwirkungen betrifft, zwischen Placebo- und den Erenumabgruppen keinen Unterschied, was darauf hinweist, dass das Arzneimittel auch sehr gut vertragen wurde.

Abschließend schlägt die Studie vor, dass 70 und 140 mg subkutane Erenumab-Injektion alle 4 Wochen eine wirksame und sichere Behandlungsoption für chronische Migräne sind. Fünf weitere unabhängige Studien zeigten auch die Wirksamkeit und Sicherheit von Antikörpern, die auf CGRP abzielen. Gemeinsam zeigt dies die entscheidende Rolle, die CGRP bei den pathophysiologischen Prozessen einer chronischen Migräne spielt. Weitere Untersuchungen sind es, die genaue Rolle von CGRP bei chronischer Migräne besser zu verstehen und die Langzeitwirkungen von Erenumab besser zu beurteilen.

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