Sexualität

Angst vor Gewichtszunahme beeinflusst Entscheidung bei Empfängnisverhütung

Frau mit Pillenpackung in der Hand
© Africa Studio/ Fotolia

Sorgen über eine mögliche Gewichtszunahme können die Entscheidung über die Empfängnisverhütung bei Frauen beeinflussen. Laut den Erkenntnissen US-amerikanischer Forscher des Penn State College of Medicine, greifen Frauen, die übergewichtig oder fettleibig sind, weniger häufig zur Pille oder anderen hormonellen Verhütungsmethoden im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen.

Gewichtszunahme ist einer der am häufigsten genannten Gründe, warum Frauen die hormonale Empfängnisverhütung beenden. Dies kann eine Rolle bei einer unbeabsichtigten Schwangerschaft spielen, so die Schlussfolgerung von Prof. Dr. Cynthia Chuang. Obwohl die orale Empfängnisverhütung wahrscheinlich nicht zur Gewichtszunahme beiträgt, verbinden viele Frauen dennoch eine Zunahme an Gewicht mit der Empfängnisverhütung durch die Pille. Während bei der Pille keine Korrelation mit dem Gewicht nachweisbar ist, konnte jedoch bei der Verhütung durch die sog. Dreimonatsspritze, eine Gewichtszunahme bei jungen Frauen beobachtet werden.

Die Forscher rund um Prof. Chuang wollten überprüfen, ob das Gewicht der Frauen, oder ihre Wahrnehmung des Gewichts, die Art der ausgewählten Empfängnisverhütung beeinflusst. Hierzu untersuchten sie demografische und durch eine Umfrage gewonnene Daten von fast 1.000 Frauen im US-Bundesstaat Pennsylvania. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im Journal „Contraception“.

Die Forscher kategorisierten die Gewichtsklasse basierend auf dem Body Mass Index (BMI), einer Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße.

Sie stellten fest, dass übergewichtige und fettleibige Frauen eher als normalgewichtige Frauen Formen der Geburtenkontrolle wählten, die als lang wirkende reversible Verhütungsmittel bekannt sind, und dagegen weniger häufig zu Methoden wie der Pille, der Dreimonatsspritze oder einem Verhütungsring griffen. Es konnte bei übergewichtigen und fettleibigen Frauen auch ein Trend hin zu nicht-verschreibungspflichtigen Mitteln wie Kondome, die Kalendermethode oder auch der vollständige Verzicht auf eine Verhütungsmethode beobachtet werden.

Lang wirkende Kontrazeptiva (Verhütungsmittel) umfassen intrauterine (=innerhalb des Uterus) Geräte, die allgemein als Spiralen (Intrauterinpessare) bekannt sind. Sie enthalten keine Östrogene, was die häufigere Nutzung bei übergewichtigen und fettleibigen Frauen erklären könnte.

Aus Sorge vor einer Gewichtszunahme wählen übergewichtige Frauen andere Verhütungsmethoden als die sonst sehr häufig eingesetzte Pille. Nicht jede Alternative ist dabei allerdings so effektiv oder überhaupt ratsam.

Die Forscher fanden heraus, dass 23 Prozent der übergewichtigen und 21 Prozent der fettleibigen Frauen zu lang wirkenden Kontrazeptiva griffen. Diese gelten als effektivste Form der Verhütung. Im Gegensatz dazu verwendeten nur 6 Prozent der untergewichtigen und normalgewichtigen Frauen lang wirkende Kontrazeptiva.

Prof. Chuang zeigte sich erleichtert, dass übergewichtige und fettleibige Frauen zumindest eher zu den lang anhaltenden Kontrazeptiva griffen, weil es eigentlich zu erwarten war, dass diese Frauen eher zu nicht-verschreibungspflichtigen Methoden greifen würden.

Dickere Frauen wählten zwar häufiger weniger wirksame nicht-verschreibungsplfichte Mittel – z.B. Kondome – oder teils gar keine Verhütungsmethode, diese Ergebnisse erreichten jedoch keine statistische Signifikanz.

Die Forscher werteten auch aus, ob die Wahrnehmung des Gewichts Einfluss auf die Wahl der Methode zur Empfängnisverhütung hat. In der Studie sah sich die Hälfte der Frauen als übergewichtig an, obwohl nur etwa 42 Prozent von ihnen es auch laut BMI tatsächlich waren. Diese Wahrnehmung schien jedoch nicht die Wahl des Kontrazeptivum zu beeinflussen.

Prof. Chuang rät Ärzten, sich darüber bewusst zu sein, dass übergewichtige Frauen aufgrund der Sorge einer Gewichtszunahme bei der Auswahl eines Kontrazeptivum, hormonellen Verhütungsmethoden gegenüber ablehnend eingestellt sein können und es daher sinnvoll sein kann, ihnen direkt zu Beginn auch die effektivsten anderweitigen Methoden vorzustellen.

„Wenn die Entscheidung über die Art der Empfängnisverhütung ansteht, können sich Frauen Sorgen über eine Gewichtszunahme machen, also muss das den Ärzten bewusst sein“, so Prof. Chuang.

Kommentar schreiben

Klicken Sie hier, um einen Kommentar zu schreiben